5 Fragen zu systemischer Gesundheitsförderung an Klaudia Holzaht, Ökonomin und Organisationspsychologin

Klaudia Holzaht ist eine von mir sehr geschätzte Kollegin, die als Beraterin in der Personal- und Organisationsentwicklung tätig ist. Sie beschäftigt sich wissenschaftlich mit dem betrieblichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement. Jetzt hat sie gemeinsam mit der Organisationsentwicklerin Dr. Susanne Korsmeier ein sehr interessantes und vor allem effektives Tool zur systemischen Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz entwickelt, das verspricht systemischer als systemisch zu sein. Im Interview erklärt sie, was dahinter steckt und wie Führungskräfte erste Schritte in diese Richtung machen können.

1.      Was kennzeichnet eine systemische Förderung von Gesundheit in Organisationen? 

In vielen Unternehmen gibt es klassische Maßnahmen der Gesundheitsförderung, die meistens ein vermeintlich gesünderes Verhalten des Mitarbeiters bewirken sollen, zum Beispiel Sport- und Ernährungsangebote. Keine Frage – ein ausgewogener Kantinenspeiseplan, die hauseigene Yogagruppe oder auch kostengünstige Fitness-Studio-Tickets haben ihre Berechtigung. Weitaus wirksamer ist es allerdings, die Organisation als System mit einzubeziehen, also alle Rahmenbedingungen zu betrachten, die sich auf die Gesundheit des Mitarbeiters auswirken. Über den Mitarbeiter als Person hinaus gehören dazu die Gestaltung und Ausstattung der Arbeitsplätze genauso wie der Führungsstil der Führungskräfte und die Kommunikationskultur in der Organisation. Eine solche Gesundheitsförderung nennt man systemisch.

 

2.      Und warum bezeichnen Sie Ihren eigenen Ansatz als systemischer? Das klingt nach noch einer Erweiterung…

Dr. Susanne Korsmeier und ich haben den systemischen Blick in die Organisation mit der Salutogenese und einem Tool des SySt®-Instituts in München in Verbindung gebracht. Die Salutogenese ist eine Auffassung von Gesundheit, die den Gegensatz von gesund und krank hinter sich lässt. Sie fragt nicht danach, wie man Krankheit verhindern, sondern wie man Gesundheit fördern kann. Für den Arbeitsplatz nennt sie drei gesundheitsförderliche Faktoren: die Sinnhaftigkeit der Arbeit, ihre Machbarkeit und die Möglichkeit an Entscheidungen beteiligt zu werden. Wenn man diesen Faktoren mithilfe von systemischen Fragetechniken nachgeht, führt dies zu unmittelbar umsetzbaren Maßnahmen der Gesundheitsförderung. Sie wissen sofort, was Sie konkret tun können. Und was Sie tun, wirkt auf das System als Ganzes und nicht nur punktuell auf die Führungskraft oder den Mitarbeiter.

 

3.     Welche Voraussetzungen braucht es für systemische Gesundheitsförderung?

Besondere materielle Voraussetzungen sind nicht nötig. Dieser Ansatz ist überraschend einfach und effektiv. Ohne das Commitment, die Mitwirkung der Führungskräfte, lässt sich allerdings die Haltungsänderung, die hinter jedem systemischen Ansatz steckt, nicht effektiv verankern.

4.      Was bedeutet dies für die Führungskraft?

       Im Bereich von Gesundheits- und Leistungsthemen sind Führungskräfte Gestalter und Vorbild. Können oder wollen sie diese Rolle nicht ausführen, so werden auch Maßnahmen in diesem Bereich nicht ihre volle Wirksamkeit entfalten. Neben der Schulung der Führungskräfte ist hier vor allem auch eine Sensibilisierung für die eigenen Verhaltensweisen und ihre Wirkungen nicht nur auf die Gesundheit der anderen, sondern auch auf die eigene Gesundheit notwendig.

 

5.     Wie macht sich systemische Gesundheitsförderung im Arbeitsalltag bemerkbar? Können Sie ein paar erste kleine Schritte nennen, die eine Führungskraft auch ohne externe Beratung sofort leicht ausprobieren könnte?

Ein erster guter Schritt für jede Führungskraft ist es, sich für den eigenen Arbeitsplatz die Fragen zu Sinnhaftigkeit, Machbarkeit der Arbeit und zu Mitbestimmungsprozessen zu stellen. Denn mit der Sensibilisierung für die eigene Gesundheit am Arbeitsplatz beginnt die systemische Förderung der Gesundheit der Mitarbeiter. Fragen dazu können sein: Stehen die aktuellen Anforderungen meiner Arbeit und meine persönlichen Fähigkeiten und Ressourcen in einer Balance? Was braucht es um diese Balance zu schaffen und meine Leistungsfähigkeit sicherzustellen?

Vielen Dank, Klaudia Holzaht!

Zur kostenlosen Anfrage

Weitere Informationen zu diesem Ansatz finden Sie im Heft 06/2015 von SyStemischer – Die Zeitschrift für systemische Strukturaufstellungen: http://www.systemischer.com/