Lösungsfokussierte Führung

Ein neuer Führungsstil? Eher: das wichtigste Update der letzten Jahre! Eine Hauptaufgabe von Führungskräften ist es Entscheidungen zu treffen, wenn dies die Mitarbeiter nicht mehr können oder dürfen. Entscheidungen, die Lösungen für anstehende Probleme oder Themen darstellen.

Zusammenfassung

 

Lösungsfokussierung (Solution Focus) ist eine hochwirksame und effiziente, praxiserprobte Methode, um Lösungen zu entwickeln und Ressourcen frei zu setzten. Ihre Techniken – eine bestimmte Art zu denken und Gespräche zu führen - bauen auf der Haltung  und Erkenntnis auf, dass in der Führung und im Organisationskontext das Finden von Lösungen nicht von einer Analyse der Probleme abhängig ist. Damit lösen wir uns von einer Denkweise in Ursache-Wirkungszusammenhängen und einer meist zeitraubenden Warum-Analyse. In technisch-naturwissenschaftlichen Systemen ist das Suchen nach Fehlerquellen sinnvoll. In sozialen Systemen, wie es Organisationen sind, führt Ursachenforschung jedoch häufig eher zu einem „Blame-Storming“ und zu aufreibenden Rechtfertigungen. Wer kann in einem Geflecht von Arbeitsbeziehungen schon mit Sicherheit sagen, womit die Dinge ihren Anfang nahmen? Und ist das eine sinnvolle Frage? Hingegen bringt es eher Erfolge, das Wirrwar aus möglichen Ursachen unbeachtet zu lassen anstatt zu versuchen, es zu sortieren und dabei alle (alten) Fäden aufzurollen. (Vgl. E. Ferrari, 2012) 

Vielmehr ist es möglich und effizient, sich auf einem direkteren Weg in Richtung des erwünschten Zustandes zu begeben. Für das Management und Führungskräfte erfordert dies ein Umdenken, das Einnehmen einer veränderten Haltung sowie Erlernen einiger neuer Frage- und Zuhörtechniken. Es mag nur eine einfache Verschiebung oder Ergänzung des bestehenden Führungsstils erfordern, leicht ist es dabei nicht für jeden. 

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Wurzeln

 

Der Begriff Lösungsfokussierung (auch: Lösungsorientierung) wurde als Übersetzung der englischen Bezeichnung Solutions Focus (SF) gewählt. Solutions Focus bezeichnet eine von Insoo Kim Berg und Steve de Shazer (und Kolleg/innen) entwickelte Methode, die von einigen Beratern und Coaches weiterentwickelt und auf den Organisationskontext angewendet wurde.  (An dieser Stelle sei auf die Arbeiten von Mark McKergow, Matthias Varga von Kibéd und Insa Sparrer, Louis Cauffman und Kirsten Dierolf, Dr. Günter Lueger, Dominik Godat sowie Elisabeth Ferrari verwiesen.)

Solution Focus findet bereits seit Jahren auf vielfältige Weise Anwendung in Organisationen.

Seit 2002 gibt es jährliche Konferenzen der SOLword Community über die Anwendung des SF-Ansatzes in Organisationen. Seit 2008 unterstützt der Verband ASFCT (The association for the quality development of solution focused consulting and training) die Forschung in die  Wirksamkeit und Qualität des SF-Ansatzes und vergibt eine internationale Zertifizierung.

 

Zentrale Aspekte und Techniken

 

Wertschätzung; lösungsfokussierte Fragen stellen; Gesprächspartner viel Raum geben und auf Ressourcen und Hinweise für mögliche Lösungen hören; Forscher-Haltung: Neugier und aufrichtiges Interesse; Konzentration auf das, was funktioniert und die positiven Unterschiede: Was ist anders, wenn es besser ist?; Skalenarbeit; konkret wahrnehmbares Verhalten herausarbeiten; „Was noch?“-Frage; kleine konkrete Schritte in die gewünschte Richtung erarbeiten; Wunderfrage.

Dr. Günter Lueger hat in seinem  „Lösungszyklus“ die SF Arbeit (bezogen auf Beurteilungsgespräche) in vier Schritte zusammengefasst:

  1. Plattform – Rapport aufbauen, Anliegenklärung, Kontext, ...
  2. Kleine Erfolge (V+) – positive Ausnahmen der Vergangenheit, was war dann anders?
  3. Funktionierende Zukunft (Z+) -  Was ist dann konkret anders? Wer merkt etwas davon? Woran?
  4. Nächste Schritte – Was wäre ein guter erster Schritt? Was mache ich morgen anders?

Dominik Godat entwickelte jüngst ein deskriptives Modell für Solution Focused Leadership. Er befragte Führungskräfte, die lösungsfokussiert führen, und identifizierte ein breites Spektrum der Anwendung von LF Führung, welches über „reines Coaching“ hinaus geht - wie z.B. Meetings, Management Zyklen, Workshops und vor allem Alltags Interventionen.

In seiner Untersuchung erkennt Godat 7 Werkzeuge, die lösungsfokussierte Führungskräfte verwenden:

  1. Lösungsbereitschaft erhöhen – aufmerksam zuhören und z.B. fragen: „Was möchtest Du stattdessen?“
  2. Die gewünschte Zukunft fokussieren – mit den Mitarbeitenden Ziele erforschen, zum Beispiel mit der Wunderfrage
  3. Funktionierendes erkennen – Auch in neuen Lösungen auf vorhandene Kernkompetenzen/ Ressourcen aufbauen
  4. Positive Aspekte durch Wertschätzung stärken – es wirkt auf wunderbare Weise verhaltensverstärkend
  5. Kleine Schritte festlegen – sehr wichtig: Sie erhöhen die Wahrscheinlichkeit schneller Erfolgserlebnisse, die neuen Antrieb geben, und damit Ihre Effizienz und Effektivität
  6. Experimente wagen - mal etwas anderes ausprobieren und damit die Aufmerksamkeit aller auf funktionierende Aspekte des Alltags lenken
  7. Mit Skalierungen Erfolge messbar und nutzbar machen – Die Arbeit mit der Skalenfrage als Multifuntionstool beherrschen

In seinem Buch beschreibt Dominik Godat schließlich auch viele lösungsfokussierte „Werkzeuge“, deren positive Wirkung er auch aus eigener Praxis als Führungskraft kennt. 

 

Für Führungskräfte, die effizienter und effektiver Mitarbeiter führen wollen, ist es zentral, die Frageformen der lösungsfokussierten Gesprächsführung zu lernen, zu trainieren und regelmäßig anzuwenden. In Verbindung mit der aufrichtigen Haltung des Interesses am Gegenüber.

 

Abschießend noch eine gelungene Gegenüberstellung von Elisabeth Ferrari: 

Problemorientierung

Lösungsorientierung

Blick zurück

Blick nach vorn

Was war falsch?

Wo läuft etwas richtig? Und wie haben wir das geschafft?

Schuldzuweisung

Anerkennung von Verbesserung

Defizite hervorheben

Ressourcen finden

Analysen

Handlungen:  Was  tun  wir  demnächst anders?

Warum?

Wie ändern wir es?

Betonung regelmäßiger Fehler/Defizite

Frage nach Ausnahmen: In welchen Situationen tritt das Problem nicht auf?

 

Lösungsfokussierte Führung ist aus unserer Sicht das wichtigste Update zum Thema „Leadership“ der letzten Jahre und wird in den kommenden Jahren sicher weite Verbreitung finden. Mindestens so, wie sich der Lösungsorientierte Ansatz bereits seit vielen Jahren im Coaching verbreitet.

 

Eulenkamp Führungstraining bildet Führungskräfte in Lösungsfokussierter Führung aus und lässt Teile oder Tools davon auch in anderen Trainings einfließen, wo es zielführend ist.

Fragen Sie uns doch nach einer passenden Lösung für Ihre Ziele in der Führungskräfte-Entwicklung! Wir würden uns sehr freuen.

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Quellen:

 

  • Elisabeth Ferrari: „FührungsKraft entwicklen“, sowie „Solution Poker“.
  • Dr. Günter Lueger: Tool Day „Solution Focused Rating“.
  • Louis Cauffman/ Kirsten Dierolf: „Lösungstango“.
  • SySt-Institut München: Ausbildung „Systemsiche Organisationsberatung (nach SySt)“.
  • Dominik Godat: „Lösungen auf der Spur“.
  • ASFCT: Hinweise für Lösungsfokussierte Arbeit in Beratung und Training.